CGRAPH entstand 1989 aus einem kleinen Programm, das ursprünglich für einen hp-28c-Taschenrechner geschrieben wurde. Mithilfe dieses Programms konnte man komplexe Abbildungen auf dem kleinen LCD-Bildschirm des hp28c durchführen - es diente seinerzeit als (zulässige) Kontrollmöglichkeit in einer Klausur für Höhere Mathematik III im Elektrotechnikstudium.
Mit dem Sprung auf einen Computer der PC-XT-Klasse (V20 CPU mit 12MHz Turbo-Taktfrequenz) war es dann erstmals möglich, Funktionen frei einzugeben, auch wenn man die nötigen Abfolgen dafür noch von Hand definiert werden mussten. Die erste Version dser noch heute eingesetzten komplexen Bibliothek mathematischer Funktionen stammt aus dieser Zeit. Grafisch war man auf monochrome Hercules-Grafik mit 720 × 348 beschränkt.
Die Version 2 von CGRAPH, die erste, die in den Handel gelangte, entstand 1990. Sie besaß das damals übliche Prinzip einer menü- und fensterbasierten Oberfläche im Textmodus, die dem von IBM definierten SAA_Standard folgte. Sie enthielt erstmals den Compiler, mit dem es möglich wurde, Funktionen einfach in Textform einzugeben. Obwohl inzwischen auf einem Rechner der 386-Klasse (386SX mit 16 MHz) entwickelt, handelte es sich weiterhin um eine Applikation, die unter MS-DOS lief. Die Grafikunterstützung wurde erweitert; neben Hercules wurden nun auch EGA und VGA unterstützt, natürlich nun auch farbig.Zu den komplexen Grafikfunktionen gesellten sich nun auch solche für den reellen Raum. Auch räumliche 3D-Grafiken waren erstmals möglich. CGRAPH 2 gab es zudem auch in einer speziellen Version, die den mathematischen Koprozessor unterstützte, der erst mit dem Intel 486 Teil des Prozessors wurde.
Mit CGRAPH 3 kam 1993 erstmals eine Windows-Version von CGRAPH auf den Markt. Diese Version lief im Enhanced-386-Mode und benötigte neben Windows 3.0 zwingend auch einen Prozessor der 386-Klasse, weil sie intensiven Gebrauch vom erweiterten Speicher machte. Sie war als MDI-Anwendung (Multiple Document Interface) konzipiert, und konnte erstmals mehrere Grafiken gleichzeitig verwalten. Auch mehreren Funktionen waren jetzt möglich. Eine konfigurierbare Funktionenleiste kam hinzu, außerdem neue Grafiktypen wie Interpolationen und eine eindimensionale FFT.
Im selben Jahr erschien noch CGRAPH 3.1, die bezüglich der angebotenen Grafiktypen keine Änderungen mitbrachte, jedoch die Oberfläche für das inzwischen vorherrschende Windows 3.1 fit machte. Diese Version wurde unter dem Label der damaligen CTS Ambrosius & Brennecke GbR später auch als Shareware vertrieben.
CGRAPH 4 sollte ab 1996 den Übergang von einer 16-Bit-Version fur Windows 3.1 zu einer 32-Bit-Version für Windows 95 und das damals brandneue Windows NT 4 bilden, blieb aber in einem Versuchsstadium stecken. Das gleiche gilt für den Versuch, eine Version für OS/2 zu erstellen, dessen Nutzer bereits damals immer weniger wurden. Die CGRAPH-4-Oberfläche ist allerdings bereits sehr nahe an der, die heute CGRAPH 5 bietet.
Im Jahr 2025 begann die Entwicklung von CGRAPH 5. Die Oberfläche und alle Funktionen wurden komplett neu entwickelt. Aus den Vorgängerversionen haben lediglich die Routinen zur Darstellung von Zahlen und der Compiler überlebt. All diese Routinen nutzen keinerlei betriebssystemspezifische Funktionen und konnten so weitgehend ohne Anpassung übernommen werden. Es kamen zudem viele neue Funktionen hinzu, beispielsweise neue Interpolationsarten und die Transformation ganzer Koordinatensysteme. Die Eingabemöglichkeiten wurden vereinfacht, so dass man schnell und ohne vorheriges Einlernen zu den gewünschten Ergebnissen gelangt.
Gleichwohl hat sich die Geschwindigkeit von Computern seit der ersten CGRAPH-Version von 1989 massiv erhöht. Dauerte das Erzeugen eines Apfelmännchens in der ersten Version von CGRAPH auf einem damals aktuellen Rechner noch rund 6 Stunden, wird es heute in weniger als einer Sekunde gezeichnet. Darüberhinaus steht heute mit der Firemonkey-Bibliothek auch ein betriebssytemübergreifendes Framework zur Verfügung, mit dem die CGRAPH-Versionen für Windows und macOS weitgehend ohne Berücksichtung von Besonderheiten entwickelt wurden und sie daher funktional identisch sind.